Ein Kind braucht viele Bezugspersonen

Hauptversammlung der Pro Juventute Appenzell Innerrhoden

«Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.» Mit diesen Worten eröffnete Luzius Gruber, Präsident der Pro Juventute Appenzell Innerrhoden, die Hauptversammlung am Montagabend. Eines der Themen im vergangenen Jahr war «Raum für Kinder». Dass es die Institution Pro Juventute braucht, ist unbestritten.

Nicht nur Eltern – auch Geschwister, Grosseltern, Lehrer, Mitschüler, Gotte und Götti, Nachbarn und die Verkäuferin im Brotladen – ja das ganze Dorf – benötige es um ein Kind zu erziehen. Durch ihre Hilfe, ihr Dasein und ihr Verhalten leisten sie einen grossen Anteil, so Luzius Gruber. Auch die Pro Juventute wolle ein Puzzleteil dazu sein.

Lücken schliessen
Die Frage nach der Existenzberechtigung habe sich die Pro Juventute Appenzell Innerrhoden auch dieses Jahr nicht stellen müssen. «Wir spüren, wie sehr unser Angebot geschätzt wird, Lücken geschlossen oder Hilfe angeboten werden kann», so der Präsident. Als Beispiele nannte er die Elternbriefe (eine monatliche Informationsschrift für junge Eltern) oder die Einzelfallhilfe. Dabei werden Gesuche von Familien, die vorübergehend in einen finanziellen Missstand geraten sind, nach der Devise «schnelle und unkomplizierte Hilfe» unterstützt. Beispielsweise mit einem Beitrag an ein Lager, eine Musikstunde oder an den Besuch einer Spielgruppe. Unterstützt wurden im letzten Jahr 15 Familien. «Die Pro Juventute schüttet aber nicht nur Geld aus», präzisierte Luzius Gruber. Man biete auch Beratung oder vermittle an andere Stellen.

Schlatt mit Beitrag unterstützt
Die Pro Juventute beteiligte sich an einer nationalen Erhebung. Dabei ging es um die Frage, wo und wodurch der Freiraum der Kinder durch Verbote oder Gebote eingeschränkt wird. «In unserem Kanton fanden wir keine negativen Beispiele», freute sich Luzius Gruber. Das zeuge von einer offenen und wertschätzenden Haltung dem Nachwuchs gegenüber.Besonders freue es die Verantwortlichen der Pro Juventute, wenn Behörden ihr Angebot überdenken und Projekte zugunsten der Kinder realisieren. Als Beispiel nannte er den Schulrat Schlatt: auf dem Spielplatz beim Schulhaus hätten sich Sicherheitsrisiken gezeigt, die behoben wurden. Die Pro Juventute Appenzell Innerrhoden habe deshalb die Schule Schlatt mit einem namhaften Beitrag unterstützt.Aber auch andernorts seien durch die öffentliche Hand oder Private Plätze für Kinder geschaffen oder verbessert worden, wurde gesagt.

Wichtigste Einnahmequelle
Die Innerrhoder Schulen sind – nebst den Mitgliedern und Gönnern – die wichtigsten Partner der Pro Juventute. Denn sie führen den sogenannten Dezember–Verkauf durch. Er ist die wichtigste Einnahmequelle der Institution. Auf Seite der Pro Juventute würden die Produkte überdacht und seien in reger Diskussion, erklärte Luzius Gruber. Vor allem den Kindern zuliebe würden zwar noch Briefmarken gekauft. Aber im Zeitalter des E–Mail–Verkehrs würden diese immer weniger gebraucht. Für die Schüler werde es zudem schwieriger, die Leute zu Hause anzutreffen um die Bestellungen aufzunehmen.

Gleichbleibender Mitgliederbeitrag
Im letzten Jahr hielten sich Aufwand und Ertrag fast die Waage. Die Rechnung schloss mit einem Mehraufwand von rund 1200 Franken ab. Das Vereinsvermögen beträgt per Ende März dieses Jahres rund 60 000 Franken.Die Höhe des Mitgliederbeitrages wurde bei 20 Franken belassen.

Dieses Jahr ein Ferienpass
Die Pro Juventute Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden organisierten für dieses Jahr wieder einen Ferienpass. 322 Kurse wurden angeboten, 56 mussten unter anderem wegen zu wenigen Anmeldungen abgesagt werden. 775 Kinder werden am Ferienpass die verschiedensten Angebote nutzen, 135 Kursleiter stellen sich zur Verfügung. Luzius Gruber bezeichnete am Montag den Ferienpass als «Vorzeige–Kind».Weitere laufende Projekte der Pro Juventute sind das Lehrmittel «Potz Tuusig», das gedacht ist für Kindergarten und Unterstufe, und «Kinder–Cash» (für die 5. und 6. Klasse) Bei beiden Angeboten geht es um den bewussten Umgang mit Geld. Auf ein extrem gutes Interesse stosse bei den Innerrhoder Schulen das Sparschwein mit den vier Schlitzen (Kinder–Cash), erklärte Vreni Kölbener. Diese seien jeweils innert weniger Stunden weg.Präsident Luzius Gruber nahm den ersten Satz seines Jahresberichtes nochmals auf und änderte diesen am Schluss der Versammlung noch ab: «Um die Pro Juventute Appenzell Innerrhoden zu tragen, braucht es einen ganzen Kanton – und Stimmen, die sich für Kinder und Jugendliche einsetzen».

Neuen Ratgeber geschaffen
Während seiner sogenannten «Auszeit» von der Schule hat Luzius Gruber in Zusammenarbeit mit dem Erziehungsdepartement eine Broschüre mit dem Titel «Lego, Klotz und Stein» erarbeitet. Sie ist insbesondere als Ratgeber für Eltern von Sechstklässlern gedacht. Von Jugendlichen also, die vor dem Weg von der Primarschule in die Real– oder Sekundarschule oder ins Gymnasium stehen. «Für Sie als Eltern wird der Wechsel ein weiterer Schritt sein, Ihrem Kind Flügel zu schenken, indem Sie es wiederum ein Stück loslassen», schreibt Luzius Gruber in der Einleitung.Nebst schulischen Informationen (Übertrittsverfahren in die Oberstufe), werden auch Themen wie Sackgeld, Ausgang, Suchtmittel, Hobbys oder Gesundheit angesprochen. Die Broschüre wird im kommenden Schuljahr in den Schulen verteilt.

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